Mehr als eine Übernahme: Wie Moritz und Alina ihre Familienunternehmen in die Zukunft führen

Wenn über Unternehmensgründung gesprochen wird, denken die meisten an eine zündende Idee, eine Marktlücke und den Mut, etwas Neues zu wagen. Dabei gibt es einen anderen Weg, der mindestens genauso viel Mut erfordert: die Nachfolge. Moritz Rzeppa und Alina Bestmann haben diesen Weg gewählt. Und beide haben beim Gründerwettbewerb Nordhessen gezeigt, dass Nachfolge weit mehr ist als das Weiterführen von etwas Bestehendem.

Zwei Familien, zwei Entscheidungen, ein Thema

Moritz ist Gesellschafter bei Viliv Saunawerk, einem Unternehmen, das sein Vater zusammen mit einem Geschäftspartner 2012 gegründet hat und das sich auf hochwertige, individuell gestaltete Saunen für private und gewerbliche Kunden spezialisiert hat. 

Alina ist Mitgeschäftsführerin bei Bestmann Akustik, einem Unternehmen, das ihr Opa 1993 ins Leben gerufen hat und das heute Raumakustik optimiert und moderne Arbeitswelten gestaltet. Ihr Vater ist selbst Nachfolger. Jetzt ist sie es auch.

Der Moment, in dem die Entscheidung fiel, war bei beiden überraschend klar. 

Alina beschreibt es so:

"Bis Anfang 2020 war mir klar, dass ich was ganz anderes machen werde. 
Im Juni sind wir dann zusammen zur Familie nach Rosenheim gefahren. 
Auf dem Weg dorthin haben wir noch bei einem Kunden für eine Installation angehalten. 
Am Sonntag stand fest, dass ich vier Wochen später anfange."

 

Moritz hatte seinen Weg schon früh im Blick. Schon während seiner Ausbildung zum Schreiner wusste er: Das Unternehmen seines Vaters ist sein Ziel. Er zog seinen Meister durch, führte parallel Gespräche mit der Bank und trat nur vier Monate nach dem Abschluss als Gesellschafter ein. Kein Zögern, kein Umweg.

Der Gründerwettbewerb als Klarheitsgeber

Beide haben sich auf Empfehlung hin für den Gründerwettbewerb Nordhessen beworben, beide ohne große Zögerlichkeit. Moritz sagt, er musste nicht lange überlegen. Alinas erster Gedanke war schlicht: "Versuchen kann ich es ja mal." Doch was der Wettbewerb dann ausgelöst hat, war für beide mehr als erwartet.

Alina beschreibt den Prozess als echten Strukturgeber:

"Der Wettbewerbsprozess hat mich dabei unterstützt, meine Ideen für 
unsere strategische Ausrichtung nochmal klarer und strukturierter zu betrachten, 
auch unter Einbezug unseres Nachfolgeprozesses."

 

Moritz wiederum hat etwas mitgenommen, das sich kaum in einem Businessplan messen lässt:

"Die Teilnahme hat mir die Angst genommen, vor einer großen Gruppe zu sprechen, 
und mein Selbstvertrauen gestärkt, mit klaren Ideen und deren Umsetzung umzugehen."

 

Beide berichten außerdem von einem Netzwerk, das weit über den Wettbewerb hinaus trägt: neue Kontakte, Mentoren, Unterstützer und Impulse, die im Alltag des Unternehmertums weiter nachhallen.

Was der Gewinn wirklich verändert

Der Preis hat bei Moritz sichtbar Wirkung gezeigt: IHK-Einladungen, neue Kundenkontakte und ein Signal an Banken, das die Finanzierung neuer Projekte spürbar erleichtert hat. Auch die Außendarstellung hat gewonnen.

Bei Bestmann Akustik hat der Gewinn vor allem intern etwas bewegt:

"Der Gewinn hat uns im Team nochmal Rückenwind gegeben. 
Zudem hat er uns in der Region sichtbarer gemacht, was für uns ein wichtiger Schritt war."

 

Und das Jury-Feedback? War kein Lob zum Einrahmen, sondern echtes Handwerkszeug. Alina nutzte es, um blinde Flecken zu erkennen und konkrete Stellschrauben nachzuziehen.

Nachfolge heißt: Dazwischen sein

Was beide beschreiben, ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Man tritt in etwas Bestehendes ein, muss es verstehen, bevor man es verändern darf, und findet dabei immer wieder die Balance zwischen Respekt vor dem Aufgebauten und dem eigenen Gestaltungswillen.

Alina formuliert das mit bemerkenswerter Klarheit:

"Nachfolge ist keine Momentaufnahme, sondern ein Prozess, 
in dem man hineinwächst. Man übernimmt nicht nur ein Unternehmen, 
sondern auch Verantwortung und Geschichte."

 

Moritz ergänzt mit einem pragmatischen Blick auf die Strukturen:

"Es ist wichtig, bestehende Abläufe zu hinterfragen,
deren Sinn zu verstehen und, wenn nötig, Verbesserungen vorzunehmen."

 

Nebenbei: Alina hat ihren Pitch bei der Jury-Sitzung drei Wochen nach der Geburt ihrer zweiten Tochter gehalten. Mit sieben Wochen war das Baby wohl die jüngste Teilnehmerin auf der Prämierungsfeier. Alina selbst sieht das nicht als Heldengeschichte, sondern als Beweis:

"Ich möchte damit vor allem zeigen, dass man Mama und Geschäftsführerin sein kann."

Mein Rat für alle, die mit dem Gedanken der Bewerbung spielen und zweifeln, ob das eigene Vorhaben "gut genug" ist:

"Was hast du zu verlieren? Der Wettbewerb bietet die Möglichkeit, viele neue Menschen kennenzulernen und an Workshops teilzunehmen, die spannende Themen behandeln."
Moritz Rzeppa
Viliv Saunawerk GmbH
"Nutze die Chance und bewirb dich. Jede Nachfolge ist einzigartig und auf jeden Fall erzählenswert."
Alina Bestmann
Bestmann Akustik GmbH & Co. KG