Tanja Wengefeld

"Der Gründerwettbewerb hat meinen Weg mit Inkluvida entscheidend geprägt."

“Hätte ich vorher gewusst, dass ich bei der Prämierungsfeier pitchen muss, hätte ich mich tatsächlich nicht beworben. Heute bin ich dabei mich mit Inkluvida zu etablieren und gebe mein Wissen als Alumna an aktuelle Teams weiter. Mein Weg durch den Wettbewerb zeigt einiges, das auch für andere Gründende relevant sein dürfte, egal in welcher Phase sie gerade stecken.”

Tanja Wengefeld

© Sascha Mannel

Der Anstoß von außen

"Auf die Idee, mich 2025 für den Gründerwettbewerb anzumelden, wäre ich wahrscheinlich nicht von allein gekommen. Den Ausschlag gab Natascha Stern, die selbst schon einmal beim Wettbewerb den zweiten Platz gemacht hatte: 'Ich glaube, du hast da ganz gute Chancen, bewirb dich doch mal.' Ohne diesen Schubs hätte ich mir vermutlich nicht zugetraut, mitzumachen.

Ich glaube, das ist keine untypische Erfahrung. Wer mitten in der eigenen Gründung steckt, unterschätzt oft, wie das eigene Vorhaben von außen wirkt. Manchmal braucht es jemanden, der einen von außen einschätzt, um den Anstoß zu geben, den man sich selbst nicht gibt."

Tanja Wengefeld

(v. l. n. r.): Tanja Wengefeld, Yasmin Hoffmann und Eugen Janot © Sascha Mannel

Die Angst vor dem Pitch

"Als die Mail kam, dass ich im Finale bin, war mein erster Gedanke: 'Wie komme ich da wieder raus?' Vor Menschen zu stehen und meine Idee zu präsentieren, war überhaupt nicht mein Ding, und die Zeit davor war geprägt von Aufregung, die auch mein Umfeld zu spüren bekam. Aufgeben war trotzdem keine Option mehr, dafür steckte ich schon zu tief im Wettbewerb.

Grundlegend geändert hat der Pitch an mir nichts, ich sehe mich nach wie vor nicht als schüchtern, sondern eher als zurückhaltend, jemand, der gut mit Menschen sprechen kann, aber nicht gern im Mittelpunkt steht. Gelernt habe ich aber, dass sich solche Situationen meistern lassen, wenn man einfach durch muss. Wer selbst vor einem Pitch oder einer anderen unangenehmen Situation zurückschreckt, findet darin vielleicht etwas Nützliches: Die Unbehaglichkeit verschwindet nicht unbedingt, aber sie ist zu bewältigen."

Tanja Wengefeld

Was mich weitergebracht hat

"Von den vielen Veranstaltungen und Workshops während des Wettbewerbs haben mich zwei am meisten weitergebracht, und keiner davon war besonders aufregend: das Business Model Canvas und die Finanzplanung. Beides hat mich gezwungen, mich intensiv mit Inkluvida auseinanderzusetzen und Dinge konkret zu Papier zu bringen, etwa wer genau meine Zielgruppe ist und was ich ihr anbiete. Gerade das genaue Hinschauen und Aufschreiben hat mir geholfen, mein Geschäftsmodell klarer zu bekommen und weiterzuentwickeln.

Auch inhaltlich hat sich in dieser Zeit einiges geschärft, wenn auch anders als geplant. Während des Wettbewerbs war für mich noch klar, dass ich mit Inkluvida vor allem in die außerklinische Intensivpflege gehen möchte, das war mein ursprünglicher Schwerpunkt. Erst später kamen verstärkt Anfragen aus dem Assistenzbereich und der Eingliederungshilfe dazu, sodass sich Inkluvida in der Praxis anders entwickelt hat, als ich es mir zu Wettbewerbszeiten vorgestellt hatte. Die Arbeit an den Grundlagen schafft zu diesem Zeitpunkt Klarheit, das Geschäftsmodell darf danach aber trotzdem weiterwachsen und sich verschieben."

Tanja Wengefeld

© Tanja Wengefeld
© Linda Zwick

Sichtbarkeit kommt selten über Nacht

"Der Zeitungsartikel nach der Prämierung hat einen echten Schub gebracht, allerdings anders, als man vielleicht erwarten würde. Statt einer Flut direkter Kundenanfragen hat er vor allem dafür gesorgt, dass Inkluvida bei Multiplikatoren sichtbarer wurde. Als ich Flyer beim Pflegestützpunkt vorbeibrachte, bekam ich die Rückmeldung: 'Ach, von Ihnen habe ich doch in der Zeitung gelesen.' Über einen Assistenzdienst und eine weitere Beratungsstelle sind zudem konkrete Empfehlungen entstanden.

Nicht 50 Anfragen auf einen Schlag also, sondern ein leichterer Start und mehr Glaubwürdigkeit gerade dort, wo es zählt, bei den Stellen, die andere an einen verweisen. Presse und Öffentlichkeitsarbeit zahlen sich oft indirekt aus, über Multiplikatoren, nicht über direkte Anfragenwellen. Das lohnt sich trotzdem, nur mit realistischen Erwartungen an das Tempo."

Tanja Wengefeld

(v. l. n. r.): Paul Winter, Kaweh Mansoori, Tanja Wengefeld, Steffen Wiesenberg und Kai Georg Bachmann © Sascha Mannel
"Lasst euch auf den Wettbewerb wirklich ein, auch auf die Dinge, bei denen ihr erst einmal denkt: Das ist überhaupt nicht meins. Man muss sich dabei nicht verbiegen, aber manchmal lohnt es sich, Dinge trotzdem zu machen, auch wenn sie Überwindung kosten, wie mein eigener Pitch gezeigt hat.

Was mich an den aktuellen Gründerinnen und Gründern immer wieder inspiriert, sind die neuen Ideen und wie unterschiedlich sich Projekte im Laufe des Wettbewerbs entwickeln können, ganz so, wie sich auch meins einmal entwickelt hat."
Tanja Wengefeld
Gründerin von Inkluvida